Ratingen. 1994 hat Heinz Schemken zum letzten Mal den Wahlkreis Mettmann-Nord für die CDU gewonnen. Seitdem gingen in der einstigen Hochburg bei drei Bundestagswahlen in Folge SPD-Kandidatinnen als Siegerinnen über die Ziellinie, 1998 Regina Schmidt-Zadel, 2002 und 2005 Kerstin Griese. Seit 2002 gibt es gar keinen CDU-Vertreter mehr für Ratingen, Heiligenhaus, Velbert und Wülfrath in Berlin. Jetzt deuten die Umfragewerte an, dass es Peter Beyer am 27. September schaffen könnte. Und was tut die CDU Ratingen dafür? Nichts. Ja man hat sogar den Eindruck, dass er von Parteifreunden bekämpft wird.
Der Bundestagswahlkampf im Ratinger Straßenbild findet praktisch ohne die CDU statt. Lediglich auf der grünen Wiese findet man ein paar allgemeine Merkel-Plakate. Peter Beyer kommt nicht vor. Ganz im Gegensatz zu seiner Kontrahentin Kerstin Griese, die überall im Stadtbild frisch von den Plakaten lächelt. Selbst die Grünen plakatieren ihre chancenlose Kandidatin Mareike Grigo, und dazu noch eifrig inhaltliche Motive (etwa Atomausstieg).
Besonders augenfällig wird die Gleichgültigkeit der örtlichen CDU-Spitze, wenn man sich die städtischen Wahltafeln ansieht, auf denen die Parteien entsprechend ihrer Stärke von links nach rechts zwei DINA-0-Plakate übereinander kleben dürfen. Fleißig waren hier vor allem die Bürger-Union und die Grünen. Die BU, indem sie ihre Kommunalwahlplakate schnell entfernt hat, da sie ja am 27. September nicht antritt. Und die Grünen, indem sie hellwach in die Lücke gestoßen und nun mit vier aktuellen Motiven präsent sind.
Die Ratinger SPD hat’s dagegen bisher nicht geschafft, ihre Kommunalwahlplakate abzuschaben. Die CDU auch nicht. Da lächelt immer noch Stephan Santelmann auf die Passanten herab, als wolle er nach dem gescheiterten Anlauf auf Ratingen nun nach Berlin. Interessant ist jetzt aber, wer über Santelmann auf der CDU-Zone der Plakattafeln um Wähler wirbt. Nein, nicht Peter Beyer, sondern Kerstin Griese, und zwar nicht versehentlich an einzelnen Standorten, sondern systematisch. Kerstin Griese ist aber – man muss es noch einmal sagen: die SPD-Kandidatin.
Es gibt Christdemokraten in Ratingen, die sich darüber ärgern und der Parteiführung Gleichgültigkeit vorwerfen. Das sind die Wohlmeinenden. Andere sehen darin gezieltes Mobbing gegen Peter Beyer. Seitdem sich der Rechtsanwalt aus Heiligenhaus bei der Nominierung gegen Ewald Vielhaus durchgesetzt hat, ist er bei der Ratinger CDU-Führungstroika Droste, Vielhaus und Steuwe unten durch. Statt Unterstützung bekommt er Knüppel zwischen die Beine geworfen.
Der Stadtverbandsvorsitzende Rolf Steuwe soll Beyers Bitte um Wahlkampfunterstützung mit dem Hinweis auf fehlendes Geld brüsk abgeblockt haben. Anscheinend ist alles für den ebenso teuren wie amateurhaften und folglich erfolglosen Kommunalwahlkampf verpulvert worden. Geradezu feindselig verhält sich der CDU-Kreisvorsitzende Dr. Wilhelm Droste Beyer gegenüber. Mehrfach hat sich der Kandidat gegenüber Parteifreunden über die Behandlung durch Droste beklagt. Bei gesellschaftlichen Anlässen lässt er ihn links liegen und wendet sich demonstrativ herzlich Kerstin Griese zu, spitze Bemerkungen, abkanzelnde Anrufe, wenn Beyer es wagt, mit den „falschen“ Leuten zu sprechen – die ganze Palette des Mobbings halt. Der bisherige Höhepunkt war beim Nominierungsparteitag für die erneute Landtagskandidatur Drostes vor wenigen Wochen erreicht, als er sich zu einer regelrechten „Hassrede“ gegen bestimmte, unschwer zu erkennende Parteifreunde hinreißen ließ. Zeugen beschreiben den Auftritt als „beklemmend“.
Ohne Unterstützung durch die Partei wird es Peter Beyer trotz bester Ausgangsvoraussetzungen schwer haben, in den Bundestag einzuziehen. Parteiinterne Kritiker mutmaßen, dass genau dies Drostes Ziel ist. Vielleicht, um es in vier Jahren selbst zu versuchen. Vielleicht, um seinem bislang so erfolglosen Freund Vielhaus einen vierten Anlauf zu ermöglichen. es